AMS-Chef Kopf für „massive Einschränkung“ der Altersteilzeit

AMS-Chef Kopf für „massive Einschränkung“ der Altersteilzeit

Wer auf die Pension zusteuert und einen fließenden Weg heraus aus dem Arbeitsmarkt sucht, kann in Altersteilzeit gehen. Das Modell ist finanziell attraktiv: In der Regel reduzieren Bezieher ihre Arbeitszeit um die Hälfte, erhalten allerdings drei Viertel ihres Lohnes und außerdem die vollen Sozialversicherungsbeiträge. Von den Mehrkosten, die durch die Reduktion der Arbeitszeit entstehen, bezahlt 90 Prozent die Arbeitslosenversicherung – also die Steuerzahler. AMS-Chef Johannes Kopf spricht sich nun dafür aus, die Altersteilzeit deutlich zurückzufahren: „Ich hielte es für gerechtfertigt, die Altersteilzeit massiv einzuschränken“, sagte er am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Denn die Altersteilzeit sei „total attraktiv. Wer will nicht die Hälfte arbeiten, bei drei Vierteln des Lohnes und vollen Pensionsbeiträgen?“, so Kopf. Das Modell der Altersteilzeit sei angesichts der budgetären Lage in Österreich zu teuer. Es sei zudem eine „extreme Bevorzugung“ der Betroffenen im Vergleich zu anderen Personen: Denn es gebe auch andere Gruppen, die gern die Hälfte arbeiten und drei Viertel ihres Lohnes beziehen würden. Zum Beispiel Menschen, die zu Hause ihre Eltern pflegen oder Kinder betreuen.

Geblockte Variante läuft bis 2029 aus
Bei der Altersteilzeit gibt es zwei Modelle: die geblockte und die kontinuierliche. Die geblockte Altersteilzeit machte es möglich, dass man zum Beispiel in Summe sieben Jahre in Altersteilzeit gehen konnte, wovon man 3,5 Jahre arbeitete und die verbliebenen 3,5 Jahre de facto bereits in Pension war. Es handelte sich also um eine attraktive Art der Frühpension. Doch diese Variante läuft aus – das wurde bereits 2023 unter der türkis-grünen Regierung mit Unterstützung der Neos beschlossen. Die Begründung: Da die geblockte Variante „in ihrem Wesen einer vorzeitigen Alterspension entspricht, soll sie nicht weiter aus Mitteln der Versichertengemeinschaft finanziert und deren Förderung ab 1. Jänner schrittweise bis 2029 eingestellt werden“, hieß es damals.

Derzeit gibt es also nur noch die Möglichkeit, die kontinuierliche Variante in Anspruch zu nehmen. Auch dabei ist es möglich, bis zu einem gewissen Grad zu „blocken“: Man kann also beispielsweise innerhalb eines Jahres sechs Monate arbeiten und sechs Monate nicht. Die durchgehende „Blockung“ ist aber nicht mehr möglich.

Kopf spricht sich nun dafür aus, auch diese kontinuierliche Variante stark einzuschränken, da sie eine gewisse Gruppe von Arbeitnehmern stark bevorzuge.

Kosten seit 2000: 9,3 Milliarden Euro
Die Altersteilzeit ist ein gehöriger Posten im Budget. Im Februar waren laut einer Auswertung des Arbeitsmarktservice für die „Presse“ Menschen in Österreich in Altersteilzeit. Das AMS weist allerdings darauf hin, dass es sich dabei um vorläufige Daten handelt, die sich noch verändern werden. Aktuell beziehen mehr Frauen als Männer Altersteilzeitgeld, weil sie keine Möglichkeit haben, eine vorzeitige Alterspension in Anspruch zu nehmen, so das AMS.

Für heuer sind Ausgaben in Höhe von 389,34 Millionen Euro budgetiert. Zwischen Jänner und November 2024 waren im Durchschnitt 36.493 Menschen in Altersteilzeit. Davon hatten 7751 das Blockzeitmodell gewählt. Im Gesamtjahr 2024 flossen 592 Millionen Euro an Steuergeld in die Altersteilzeit. Das „Blockmodell“ kostete 88 Mio. Euro, das kontinuierliche 504 Mio. Euro.

Einen Höchststand erreichte die Zahl der Bezieher im Jahr 2019 mit 44.115 Personen.

Eingeführt wurde die Altersteilzeit im Jahr 2000. Bis inklusive 2024 wurden in Summe 9,3 Milliarden Euro an Steuergeld für die Altersteilzeit ausgegeben.

Altersteilzeit soll in Teilpension übergehen
Im Regierungsprogramm wird angekündigt, dass die Altersteilzeit mit der „Teilpension“ harmonisiert werden soll. Sie soll also so lange noch in Anspruch genommen werden können, „wie noch keine Teilpension möglich ist bzw. kein Pensionsanspruch besteht.“ Auch für den AMS-Vorstand Kopf ist die Teilpension ein sinnvoller Ersatz für die Altersteilzeit. Auch, weil die Mittel dann aus der Pensionsversicherung und nicht mehr aus der Arbeitslosenversicherung kommen würden.D

Die Koalition verspricht sich von der Teilpension eine Entlastung des Systems. Derzeit fehlen aber noch Details, wie genau diese Teilpension aussehen soll. Grundzüge liegen vor: Für jene, die Arbeitszeit reduzieren wollen, anstatt gleich in Pension zu gehen, soll ein Teil des Pensionskontos vorzeitig geschlossen werden können. Während dessen arbeitet man in Teilzeit weiter und befüllt den offenen Teil des Pensionskontos mit Beiträgen. Tritt man die Pension schließlich an, sollen beide Teile des Pensionskontos fusioniert werden.

Yayınlama: 03.04.2025
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